10. März 2018 – Auf dem Golan

UNO-Beobachtungsposten

Blick nach Syrien

Der Tag des Sabbats. Die meisten Menschen sind in ihren Häusern bei der Familie oder laufen durch die Stadt zu Freunden oder in die Synagoge. Wir fuhren mit dem Bus nach Gamla, einer alten, wieder ausgegrabenen Stadt nahe der Grenze zu Syrien. Von der Stadt selbst ist nicht mehr viel zu sehen. Über Stock und Stein und begleitet von den Rufen der Adler führte uns unser Weg direkt durch das Naturschutzgebiet Gamla. Dabei konnten wir die Besonderheiten der Flora und Fauna entdecken. Für die meisten von uns waren dabei die kaninchengroßen Klippschliefer am interessantesten. Nachdem wir das Naturschutzgebiet verlassen hatten, fuhren wir weiter durch die Golan-Höhen auf den Berg Bental, der an der Grenze zwischen Israel und Syrien liegt. Auf dem Weg dorthin fiel uns auf, dass das gesamte Gebiet kaum besiedelt ist. Die einzigen Häuser, die wir sahen waren verlassen und teilweise zerstört. Nach dem Besuch der Ruinen Gamlas holte uns dieser Anblick in die Gegenwart zurück. Es ist jeden Tag aufs Neue faszinierend, wie eng Geschichte und Gegenwart in Israel miteinander verknüpft sind.

Auf dem Berg selbst bot sich uns ein unglaublicher Rundblick. Besonders die Grenze zu Syrien zu sehen, versetzte viele von uns in eine nachdenkliche Stimmung. Auch die Besichtigung der ehemaligen Schützengräben löste ein beklemmendes Gefühl in mir aus. Auch weil ich wusste: Nur wenige Kilometer entfernt von uns kämpfen Menschen gegeneinander. Dort herrscht Krieg! Im Gegensatz zu diesen Gedanken und Gefühlen standen die Empfindungen, die der Anblick der wunderschönen Natur auslöste.

Gespräch mit einem UN-Soldaten:

Als wir auf dem Berg oben ankamen wurden wir über einen weg auf der Bergkuppe zur Aussichtsplattform an aus Waffen-und Kriegsresten gebastelten Figuren vorbei geführt. Dies drückte die Gelassenheit und auch den Optimismus des Israelischen Volkes im Umgang mit der Thematik Krieg wunderbar aus. Wir kamen zur Aussichtsplattform und sofort fielen mir zwei Soldaten auf welche ein großes Fernrohr in Richtung der Syrischen Grenze permanent im Auge behielten. Es waren Beobachtungsposten der Vereinigten Nationen welche die entmilitarisierte Zone zwischen Israel und Syrien observierten. Im Gespräch mit den Soldaten bekamen wir heraus dass die Zone neun Kilometer breit ist. Die Grenze ist eine durch Sensoren und Kameras ausgestattete Linie und bei Übertritt ist innerhalb von ein paar Minuten mit dem Antreffen von einer alarmierten Patrouille zu rechnen, wie mir der eine Soldat erklärte. Des Weiteren berichtete er mir von Verwundeten und Flüchtenden die aus Syrien kommend an der Grenze aufgefangen werden und Hilfe bekommen.

Obwohl wir doch recht müde waren, gingen die meisten von uns abends noch zu einem Chorkonzert, bei dem auch einige Gasteltern mit sangen. Das war für mich das schönste Erlebnis des Tages.

Eindrücke vom Chorkonzert: Im Konzerthaus von Ma’alot fand ein wundervolles Konzert statt, bei dem vier verschiedene Chöre aus der weiteren Umgebung ihre Künste präsentierten. Die meisten Lieder wurden in hebräischer Sprache gesungen, von Klavier oder Gitarre begleitet. Auch wenn wir die Texte der Lieder nicht verstehen konnten, stellten wir fest, dass Musik eine eigene Sprache spricht und Menschen miteinander verbindet. Man sah, dass die Sänger ihren Auftritt genossen und mit sehr viel Freude bei der Sache waren. Wir hatten einen wundervollen, stimmungsvollen Abend.